eigentlich ist steampunk eine literarische gattung mit ursprüngen bei h.g. wells und jules verne, doch die neuere zeit hat das thema immer mal wieder in den kontext von videogames oder science-fiction gebracht. das ist auch ganz gut so, denn steampunk sieht nicht nur ziemlich geil aus, wenn es gut gemacht wird, es fasziniert einfach.
dank des internets hat sich die modifizierung von alltäglichen gadgets wie computern oder handys rasant entwickelt, wie der folgende beitrag zeigt:
auf lange sicht wird sich das wohl durchsetzen, momentan sind solche geräte noch sehr teuer und aufwendig in der herstellung. wenn es erstmal den 3d-drucker für jedermann gibt, kann man das auch alleine am rechner machen. bis dahin bleiben uns nur die visionen der modder und viele viele abgefahrene entwürfe & photos.
mattijn franssen stammt aus holland und ist ein autodidaktischer öl-maler. er mixt illustration mit collagen und stellt sich dabei oft irgendwie selbst in seine werke mit rein. seit diesem jahr macht er auch photo-animationen. seine website findet man dort:
wer den independent-streifen “a scanner darkly” gesehen hat, der wird sich eventuell an die rolle erinnern, die rory cochrane gespielt hat. franssen sieht cochrane als charles freck zum verwechseln ähnlich, daher erinnern mich die märchen-szenerien an eine episode von freck, der im film permanente paranoia schiebt und sich dementsprechend anstellt.
interessant ist zudem franssens flickr-album: http://flickr.com/photos/mattijn/. ein bisschen dali, eine brise videogames, sehr stimmige farben und coole schauplätze. kann man nicht meckern, sehr empfehlenswert.
ich bin stolz: das erste mal ist es mir gelungen eines dieser begehrten process recess-bücher zu bekommen, die james jean alle paar jahre mal rausbringt. das sind unglaublich wertvolle bücher, denn er mixt derb-fettes artwork mit tagebuch-einträgen, die man aber kaum lesen kann, weil er sehr klein schreibt. das buch bekommt jetzt einen ehrenplatz in meinem bücherregal.
die ersten 19 seiten könnt ihr euch gerne mal anschauen, ich habe ein pdf hinterlegt:
das problem: ihr kriegt zwar einen einblick in wirkliche 19 seiten, die sind aber lediglich im sketchbook-stil und demnach schwarzweiss. das komplette buch hat 248 seiten und beinhaltet natürlich auch zu einem bestimmten teil vollfarbige werke.
adhouse books ist bereits seit den anfängen der verleger und ich konnte nur eines erstehen, weil die 25% mehr produziert haben als bei den beiden vorgängern. die prequels waren im selben preisbereich und ich hätte mir die längst geholt, aber die stücke sind unfassbar beliebt bei sammlern und bringen oft fast das zehnfache ihres eigentlichen kaufpreises ein. hier sieht man bereits, was da angeboten wird.
absoluter kaufbefehl! das wichtigste artwork-buch des jahres 2009. und wohl auch 2010. word.
/// title: “process recess 3 – the hallowed seam” /// autor: james jean /// verlag: adhouse books /// preis: 35$/20€
mein persönliches nichtwissen nötigt mich dazu diese grafik zu posten. sie kommt vielleicht ein bisschen spät, da ja momentan ein friedensnobelpreisträger die westliche welt verteidigen wird, wenn es darauf ankommt. dem guardian und dem bulletin of atomic scientists vertraue ich jetzt mal spontan als quellenlieferant. dank geht an david mccandless für die illustration. anyway, fuck dem nukes!
dmitry maksimov macht etwas ziemlich einzigartiges und zwar mixt er photographie mit der coolsten illustration. da tauchen plötzlich aberwitzige, sympathische charaktere in alltags-situationen auf und machen ungewöhnliche sachen. sehr geiles und hochwertiges zeug.
e-n-d-l-i-c-h ist es soweit, nach zwei vollen jahren: seit dem 17. juli ist genius party in einer deutschen übersetzung erhältlich. das ist die wertvollste und beste dvd, die ihr dieses jahr kaufen könnt!
genius party enthält sieben animations-kurzfilme des bereits heute legendären japanischen anime-studios studio 4°C. das sind die, die auch bereits bei “animatrix” im jahr 2003 heftigst am start waren. die geistige verwandtschaft ist bei manchen filmen auch unverkennbar.
das intro der dvd übernimmt atsuko fukushima. anschliessend kommt shanghai dragon von shoji kawamori, der einem kleinen rotznässigen jungen einen zauberstift zur verfügung stellt, um mit der fantasie einer 300 jahre in der zukunft liegenden erde zu helfen. in dem dritten stück, deathtic 4, wird in einer bizarren und lustigen welt ein kleiner frosch von einer ungewöhnlichen jungen helden-truppe gerettet. regie führte hier shinji kimura. doorbell von yoji fukuyama kommt dann eher nachdenklich rüber. es geht um einen jungen mann, der sich gegen sich selber behaupten muss, was nicht immer einfach ist. für mich das krasseste und auch tiefsinnigste, wenngleich technischste werk heisst limit cycle. mehr philosophie, metaphysik, sinnsuche und high-tech geht nicht in dieser kurzen zeit. regie: hideki futamura. der trägt die zukunft praktisch schon im namen. happy machine hält oberflächlich, was der name verspricht: es geht um die traumwelt eines kindes. allerdings, das merkt man am ende, wo einfach “weiter” steht, ist es auch eine kritik an der industrie. dafür wurde masaaki yuasa engagiert. der ausklang ist dann shinichiro watanabe vorbehalten, das mastermind hinter cowboy bebop und samurai champloo. es ist das einzige filmchen gewesen, das ich bereits auf englisch kannte, weil ich ein grosser watanabe-fan bin. der titel lautet baby blue und dreht sich um kindheitserinnerungen, liebe und abschied.
ich zwinge euch jetzt dazu, die nächsten 18,50€ in diese dvd zu investieren. damit ihr mal merkt, wie wahrhaftige kunst im 21. jahrhundert aussehen kann. ausserdem finden sich sieben postkarten im dvd-case, für den sammler-fux.
ein zweiter teil ist geplant: http://www.genius-party.jp/beyond/. darauf zu finden sind weitere fünf kunstwerke, die noch nicht ganz fertig beim release der ersten dvd waren. es erschien erst letztes jahr in japan, also kann man hierzulande mit einem release 2010/2011 rechnen.
“the Earth is the cradle of humanity, but mankind cannot stay in the cradle forever.”
ich fühle mich verfolgt. immer, also täglich, wenn ich so meinen freundlichen feedreader durchsteppe, und ich bleibe kurzzeitig auf http://ffffound.com/ hängen, um mir die neuesten fundstücke zum thema artwork & photos zu geben, erscheint diese eine domain sehr häufig:
da steht dann jedes mal: but does it float. dann irgendwas anderes. dann wieder: but does it float. im alltag kann es dann vorkommen, dass plötzlich, so mir nix dir nix, mein gehirn sich intern fragt: but does it float? also ehrlich jetzt: also schwebt es? schwebt es oder was!? was schwebt denn, bitte? ein ufo? mein penis? wolken? flugzeuge? mein auto? der balkon?
vielleicht fragt ihr euch das auch mal, so am wochenende: also schwebt es? but does it float? but does it float? but does it float? schwebt es, also so richtig!? kann es schweben? schwebt es!? oder wie oder was!? wtf.
ich schwebe jetzt mal weg hier, aber die domain solltet ihr mal auschecken. der spezielle link oben liefert artwork zum zitat-thema am anfang dieses beitrags. bisschen retro schadet nie.
ich weiss, lord of war war eigentlich ein sehr guter hollywood-film mit nicholas cage in der hauptrolle, aber der titel tuts hier hervorragend.
das small arms survey ist eine jährliche publikation zum thema feuerwaffen und die probleme und verpflichtungen damit. es ist sehr informativ, aber auch unglaublich zäh. schliesslich entschlossen sich die autoren, das richtige zu tun – sie erzählen die typische geschichte eines möchtegern-waffenhändlers in somalia in comic-form:
äusserst empfehlenswert, denn hier ist eine quick’n'dirty-version, wie millionen von schusswaffen über den globus wandern. nach einer wahren begebenheit. ein ernstzunehmendes problem.
bei einem preis von 0,75$ pro gewehr-kugel und einem investment von 1,5 millionen dollar (inkl. transport, kost/logie, etc.) bleibt eine satte million dollar profit. ein lohnendes geschäft…
john pugh macht das mit wänden von gebäuden, was edgar müller und julian beever mit strassen machen: er verwandelt die langweilige fassade in dreidimensionale kunstwerke, durch die man fast hindurchlaufen kann.
die technik selbst existiert bereits seit der zeit der renaissance und nennt sich trompe-l’Å“il (täusche das auge). es wird heute bevorzugt benutzt um architektonische mängel zu kaschieren und versucht wieder atmosphäre in sterile stadtbilder zu bringen. ein sehr guter ansatz.
da sind so dermassen viele geile photos dabei, ich konnte mich für keines entscheiden und deshalb solltet ihr euch das unbedingt ansehen. die begleittexte sind auch ziemlich vollgepackt mit wissen, wenngleich auf englisch:
zwölftausend jahre zivilisation. okay, leider merkt man öfters nichts davon, finde ich jetzt bisschen merkwürdig. warten wir halt noch paar tausend jahre, wenn es uns dann noch gibt oder so.
aus seattle kommt jared nickerson. er vereint cartoon-, concept-, illustration-, digital- und charaktere-techniken. konsum, poppige farben und muster, viel ironie, eine prise andy warhol, ein schuss alice im wunderland, vielleicht auch diverse bewusstseinserweiterungen in visueller form; et voila:
behance ist eigentlich ein knuddliges netzwerk, wo künstler zu finden sind und auch die künstler von künstlern und deren freunde und bekannte.
nickerson bleibt in jedem fall der strasse treu, entwirft skier- oder schuh-designs zwischendurch. die galerie selbst auf seiner website ist so umfangreich, dass man gar nicht mehr zählen kann. props, auch für den unvergesslichen namen. gebt ihm endlich seinen eigenen tv-kanal!
john ryan solis kommt aus brooklyn, new york, und hat erst letztes jahr seinen bachelor in kunst gemacht. er sollte nicht noch mehr zeit mit studium verschwenden, denn seine arbeiten sind sehr sexy zum einen, mit einem hohen ästhetischen wert und zum anderen unglaublich stilvoll, so dass man ihm arbeit regelrecht an den hals wünscht. besucht ihn mal, er freut sich bestimmt:
wir schreiben das jahr 1946 und salvador dali sowie walt disney wollen einen animations-kurz-film machen mit dem titel “destino”. leider wird das projekt nicht fertiggestellt und kurzerhand gecancelt, nachdem lediglich 18 sekunden material zusammenkamen.
1999, 50 jahre nach der idee, entschied sich disneys neffe roy edward die produktion doch noch fertigzustellen. dabei halfen ihm 25 disney-künstler und john hench, der damals der chef-illustrator war. auch dalis witwe stellt schriftliche aufzeichnungen zur verfügung. das endergebnis aus dem jahr 2003 sind fast sieben minuten animationskunst mit einer mischung aus handgezeichneten und computeranimierten inhalten. die musik stammt von armando dominguez.
“destino” hatte nie einen wirklichen durchbruch und bis heute ist das werk nicht einmal auf dvd erschienen, geschweige denn grossartig irgendwo gezeigt worden. niemand kann sagen, woher das video auf youtube stammt; von disney selbst ist es anscheinend nicht, weshalb ihr euch das anschauen solltet, bevor es wieder verschwindet. [via]
mindestens zehnmal besser als der ganze animations-quatsch, der heute aus dem hause disney kommt.
mit etwas glück erscheint 2010 tatsächlich die offizielle dvd, inklusive dokumentation, die viel wissenswertes zur zusammenarbeit von salvador dali und walt disney beinhalten soll.
wäre nicht alles so farbenfroh würde ich sagen zhou fan hat ein faible für geschwülste. und dieser fischkopf taucht auch überall auf. in wirklichkeit ist alles viel metaphysischer: für zhou fan ist es einfacher sich auf träume, als auf die realität zu konzentrieren. ahhh, ein geistig verwandter, sehr gut.
jedenfalls, diverse klarträume als kind sind irgendwie bei ihm hängengeblieben: in der luft schwebende quallen, von denen ein paar mit fallschirmen zur erde fallen und zu pilzen werden. nice. sein portfolio findet ihr dort:
erst letztes jahr war er in deutschland auf der art cologne zu gast. seit 2007 gehört er zu den aufsteigenden sternen am chinesischen artwork-himmel. und dieses jahr findet man ihn hier.
emmanuel malin lebt und arbeitet in paris, ist freiberufler aus den bereichen illustration und fine arts. sein hintergrundwissen schöpft er aus architektur, urbanen lebensräumen und medizinischer illustration. sein schaffen hat ihn so in kontakt mit der videospiel-industrie, audiovisuellen werken und printmedien gebracht. er macht ziemlich atemberaubende bilder, die wie eine mischung aus surrealen welten und comicbüchern erscheinen, bitte hier entlang:
in deutschland weniger bekannt sind die medien, wo er öfter mal publiziert wird: “folio”, “la recherche”, “brandweek magazine”, “imagine fx”, “spicyhorse studios”, “wanda productions”, “spectrum” – ausgabe 12 bis 15.
wer 70€ bis 170€ übrig hat, darf auch gerne dort im shop aus drei projekten wählen. sicher nicht schlecht angelegtes geld.
milk/logyu/ilka, das sind alles nicknames der geheimnisvollen 32-jährigen chiara bautista aus tucson. sie hat einen latenten tintenfisch-tentakel-fetisch und steht irgendwie auf hufen und herzen, aber das könnt ihr gerne alles selber rausfinden, es gibt auch nur eine einzige website von ihr:
normalerweise verlinke ich nicht auf myspace-pages, weil myspace suckt, aber hier konnte ich nicht anders.
die offensichtliche absurdität, sci-fi-themen, die ausserordentliche detailfülle und der merchandise-artige herzschmerz machen sie zu einer waschechten cyberpunk-goddess. a-v-a-n-t-garde.
panoptikum – (von griech. “žpan“ = gesamt und “žoptikà³s“ = schauen) bezeichnet u.a. eine Sammlung von Sehenswürdigkeiten oder Kuriositäten
atlas obscura ist so ein geiles ding, dass es auch nur im web geben kann. dort werden seit kurzem (die seite ist noch sehr sehr jung) allerlei wunder, kuriositäten und geheimnisse gesammelt und anschaulich präsentiert, die unser planet so zu bieten hat.
boingboing, selbst ein medium mit lauter verzockten inhalten, hat sich joshua foer ins boot geholt, der dort regelmässig darüber schreibt: siehe. also für alle, die des englischen mächtig sind und mehr über “atlas obscura”, dessen vergangenheit, gegenwart und zukunft erfahren möchten.
leider steht das projekt unter dauerlast momentan, was die erkundung unnötig erschwert. es lohnt sich trotzdem das mal im auge zu behalten. ich fand, der stil geht ein wenig in die richtung von bibliodyssey, das illustrationen aus älteren, teilweise antiken büchern zeigt. etwas, wo eben kaum jemand gesehen hat. sehr kultverdächtig.
dina goldstein hat ein photo-projekt realisiert mit dem titel “fallen princesses”. dabei hat sie den schluss-satz vieler disney-trickfilme “…und sie lebten glücklich bis ans ende aller tage” mit einem realistischeren szenario ersetzt.
cinderella sitzt dort in einer bar mit ein paar alten säcken und besäuft sich. schneewittchen ist überfordert mit ihren drei kindern. rapunzel hat ihre haare durch chemotherapie verloren. rotkäppchen ist übergewichtig und zieht mit einem korb voller fastfood durch den wald. dornröschen schläft immer noch und ihr eigentlicher erlöser befindet sich jetzt in einem altersheim. jasmin aus “aladdin” zieht in den krieg (siehe oben). belle aus “die schöne und das biest” lässt sich ihr gesicht liften und botox spritzen.
alle bisherigen bilder und zwei, die bis zur ersten ausstellung im oktober noch kommen werden, gibt es bei:
der hintergrund-gedanke, warum sie das gemacht hat, ist zudem interessant: und zwar hat sie die märchen gecheckt, die ja oftmals aus der feder der gebrüder grimm stammten und festgestellt, dass disney die komplett verwässert hat, während die original-geschichten oft dunkle und grausige aspekte beinhalteten. daraufhin verbaute sie aktuelle probleme unserer zeit wie krankheit, sucht und selbstbewusstseinsprobleme in ihre werke.
jetzt ist es auch schon wieder fast zwei jahre her, dass ich einen expliziten link zum thema sketchbooks in der tasche hatte, der es wert war gepostet zu werden. die heutige session geht daher an ted mcgrath, der aus philadelphia stammt.
doodlersanonymous.com featuret ihn und zeigt 29 grossartige doppelseiten, wie man sie oben sehen kann:
der kracher ist, die haben auch ein interview mit ihm gemacht, wo sie schriftlich fragen stellen und er die dann mit sketchbook-seiten beantwortet: siehe. zu hart.
er spielt gerne schlagzeug in seiner freizeit und arbeitet mit kim bost an diversen projekten, über die man sich direkt auf seiner eigentlichen website informieren kann: http://tedmcgrath.com/. alles irgendwie chaotisch, doch sehr sympathisch.